Christina Obergföll: „Noch kein Kind ist psychisch erkrankt" – die Speerwurf-Weltmeisterin über Bundesjugendspiele

Shownotes

In der 5. Folge von „Ich nehm' das gleiche – der Promi Podcast", trifft Bernd Kamleitner die Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll. Im Streit um die Bundesjugendspiele bezieht sie klar Position – und widerspricht der Sorge um seelische Schäden: „Noch kein Kind ist psychisch erkrankt … davon, dass wir Bundesjugendspiele austragen." Kinder wollten sich messen, sagt sie: „Die wollen sich nonstop messen."

Christina Obergföll blickt zurück auf eine der erfolgreichsten Karrieren der deutschen Leichtathletik: WM-Gold 2013 in Moskau, Silber in Helsinki als erst zweite Frau überhaupt über 70 Meter, vier Olympia-Teilnahmen, Sportlerin des Jahres. Sie erzählt auch die Geschichte der Wette, die am Ende bekannter wurde als die Goldmedaille selbst: Gewinnt sie WM-Gold, nimmt ihr Mann Boris Henry bei der Hochzeit ihren Namen an. „Wenn es Gold wird, nehmen wir Obergföll." Sie gewann – und stieß damit eine Debatte an, die weit über den Sport hinausging.

Persönlich wird das Gespräch, wenn es um ihre beiden Söhne geht. Als Gesundheitsbotschafterin weiß sie, worauf es bei Ernährung und Bewegung ankommt – schwieriger ist die Bildschirmzeit: „Kontrollierte Verabreichung ist unser Programm." Sorge bereitet ihr weniger der Zustand der Sportstätten als das, was Smartphones mit Kindern anrichten. Offen spricht sie außerdem über den Streit um die Rio-Tickets 2016, den bittersten Moment ihrer Karriere.

Daneben verrät die Weltmeisterin, warum noch drei Speere in ihrem Keller stehen, dass sie heute nur noch „das Stöckchen für den Hund" wirft, was sie von den Millionengehältern im Fußball hält – und was aus ihr geworden wäre, wenn sie den Speer nie in die Hand genommen hätte. Zum Schluss stellt sie, wie es das Ritual des Podcasts will, eine Frage an den nächsten Gast: Moses Pelham.

Neue Folgen von „Ich nehm' das Gleiche" erscheinen alle 14 Tage um Mitternacht.

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00:00:00: Ich sage Ihnen das Einzige, was ich noch werfe, ist das Stöckchen für den Hund.

00:00:03: Ich bin der Meinung, noch kein Kind ist psychisch erkrankt

00:00:06: oder irgendwie hat jetzt davon einen Schaden getragen,

00:00:08: dass wir Bundesjugendspiele austragen

00:00:11: und dass man da einmal im Jahr so einen sportlichen Wettbewerb bestreiten muss.

00:00:15: Also für mich ist es wichtig, auch wieder für das ganze Leben,

00:00:19: weil eben später im Leben auch... Die Dinge so sind, dass nicht alle gleich sind

00:00:26: oder dass man eben dann auch Leistung erzielen muss und erbracht werden muss.

00:00:30: Und insofern bin ich absoluter Befürworter.

00:00:33: Ich gehe meinen eigenen Weg und lasse mich nicht beirren,

00:00:35: ob dem einen oder anderen das gefällt.

00:00:37: Guck mal, was die Oberkirche für ein Kreuz hat. Ist immer mal wieder passiert.

00:00:40: Schau mal, was die für ein Kreuz hat. Ja, so what?

00:01:00: Ich nehme das Gleiche, der Promi-Podcast

00:01:03: der badischen neuesten Nachrichten.

00:01:08: Manchmal haut sie noch einen raus. Sehr oft macht sie es nicht mehr,

00:01:14: aber wenn sie es macht, dann für einen guten Zweck.

00:01:18: Heute spreche ich im BNN-Podcast.

00:01:21: Ich nehme das Gleiche mit Christina Obergeföll.

00:01:25: Mit ihrer Bestmarke von 70,2 Meter im Speerwurf hätte sie bei

00:01:31: den Olympischen Sommerspielen

00:01:32: 2024 tatsächlich auch noch eine Goldmedaille gewinnen können.

00:01:37: Sie hat viele Medaillen gewonnen. Und erzählt uns unter anderem,

00:01:42: wie sie es geschafft hat, 2013 Weltmeisterin zu werden.

00:01:46: Hintergrund war eine spektakuläre Wette

00:01:49: mit ihrem damaligen Trainer und ihrem heutigen Ehemann.

00:01:53: Wie es zu dieser Wette kam, das verrät sie uns.

00:01:57: Außerdem spreche ich mit ihr über die Bundesjugendspiele.

00:02:00: Sie ist ein großer Fan der Bundesjugendspiele

00:02:03: und sie ist Mutter von zwei Söhnen. Erzählt uns, wie sie sich dafür einsetzt,

00:02:10: dass die zwei jungen Herren sich gesund ernähren

00:02:14: und auch durchaus sportlich betätigen.

00:02:16: Ob da auch zwei junge Speerwerfer heranwachsen? Wir werden es hören.

00:02:20: Freuen Sie sich auf das Gespräch mit Christina Obergefüll.

00:02:24: Wir haben ein Glas Wasser vor uns stehen.

00:02:26: Eigentlich hätte es ein Cappuccino werden sollen.

00:02:28: Hat nicht ganz geklappt, aber das wollen wir einfach mal beiseite legen.

00:02:33: Cappuccino ist für Sie irgendwie verbunden mit einem Lebensgefühl?

00:02:36: Ja, ein guter Kaffee,

00:02:39: und das ist ein Cappuccino für mich, ist immer was Nettes, finde ich.

00:02:42: Sei es einfach mal für zwischendurch im Arbeitsalltag

00:02:45: oder natürlich auch in der Pause.

00:02:48: Insofern, Kaffee geht, würde ich fast behaupten wollen, immer.

00:02:52: Es sei denn, wir nehmen Gesundheitsaspekte jetzt mit rein,

00:02:54: aber ich lasse es mal außen vor. Es hat sicherlich Vor- und Nachteile.

00:02:57: Aber ansonsten auch immer, immer das Wasser dazu.

00:03:00: Deshalb haben wir jetzt auch das Wasser vor uns.

00:03:04: Da geht es auch natürlich um gesundheitliche Aspekte,

00:03:07: wie so oft in meinem Leben.

00:03:08: Kommen wir noch darauf zu sprechen.

00:03:09: Kommen wir noch darauf zu sprechen.

00:03:11: Beim Wasser nehme ich das Gleiche.

00:03:14: Jetzt natürlich, mir muss man Christina Obergefühl nicht vorstellen,

00:03:19: eine der erfolgreichsten Leichtathletinnen Deutschlands,

00:03:23: unter anderem Speerwurf-Weltmeisterin 2013 in Moskau.

00:03:28: Steht zu Hause noch irgendwo so ein Sportgerät

00:03:31: für gelegentliche Nutzung im Hause Obergefühl?

00:03:35: Es stehen tatsächlich drei Speere im Keller.

00:03:37: Drei sogar? Ja.

00:03:39: Weil ich die mittlerweile, brauche ich die nicht mehr zum Werfen.

00:03:42: Ich brauche sie wofür?

00:03:43: Wenn ich auf die Bühne gehe, habe ich ganz häufig meine Sperre mit dabei.

00:03:48: Und dafür habe ich drei zu Hause. Zum Werfen brauche ich die nicht mehr.

00:03:53: Das heißt, Sie werfen gar nicht mehr oder juckt es manchmal noch in den Fingern?

00:03:58: Ich sage Ihnen, das Einzige, was ich noch werfe, ist das Stöckchen für den Hund.

00:04:01: Okay, wie weit?

00:04:02: Das kann ich auch ganz gut.

00:04:05: Sperrwerfen ist etwas, was man einfach nicht in der Freizeit macht.

00:04:08: Es tut einfach auch weh danach.

00:04:11: Es ist eine sehr, sehr schnelle, es ist eine exklusiv.

00:04:13: Explosiv-Sportart und deswegen funktioniert

00:04:16: das einfach nicht mal so zwischendurch.

00:04:19: Ich nehme dieses Sportgerät lediglich in die Hand,

00:04:21: wenn wir irgendwie Aktionen haben für den guten Zweck,

00:04:25: wo ich dann mit unterstützen soll und wo wir für den guten Zweck Euro sammeln,

00:04:30: Geld einsammeln, dann werfe ich ganz gerne,

00:04:32: wenn ich dann gefragt werde, Mensch Christina,

00:04:33: kannst du nicht für mich werfen,

00:04:34: dann sammeln wir mehr Geld ein, dann bin ich da noch für zu haben.

00:04:38: Aber ich bereue es tatsächlich dann auch ganz, ganz häufig im Anschluss,

00:04:40: weil dann einfach auch die Gelenke wehtun. Also es ist jetzt keine Sportart,

00:04:44: die man in der Freizeit oder viele, viele Jahre noch machen kann bis ins hohe Alter,

00:04:48: wie man das vielleicht, weiß ich nicht, auf dem Golfplatz,

00:04:50: auf dem Fußballplatz, auf dem Tennisplatz betreiben kann.

00:04:53: Da sehe ich viele Rentner und Pensionäre, die unterwegs sind.

00:04:57: Das ist mir schwer, schwierig.

00:04:58: Insofern bin ich durch mit diesem Thema, aber es ist auch schwierig.

00:05:02: vollkommen in Ordnung für mich.

00:05:03: Was wäre noch drin, wenn Sie jetzt tatsächlich doch nochmal werfen würden?

00:05:07: Ein Weite, ein Raushauen?

00:05:09: Das letzte Mal so ein bisschen auf Weite

00:05:12: habe ich tatsächlich geworfen vor drei Jahren

00:05:15: und da bin ich noch auf 45 Meter gekommen. Oh, okay.

00:05:19: Also ich trainiere natürlich schon noch viele Inhalte auch,

00:05:22: die ich damals trainieren durfte.

00:05:26: Ich mache noch bis heute schon auch regelmäßig mein Krafttraining.

00:05:30: Und das führt natürlich auch dazu, der Bewegungsablauf ist ja auch verinnerlicht,

00:05:34: dass da schon noch ein bisschen was geht. Aber klar, so diese exklusiven Dinge,

00:05:38: die fehlen einfach und die zeichnen sich dann eben auch in dieser Weite wieder.

00:05:43: Also Weite, Ihr bester Wurf, 70,20 Meter,

00:05:49: die Bestmarke, hätte in Paris noch für eine Goldmedaille gereicht.

00:05:55: Ja, hätte, hätte Fahrradkette. Ich war natürlich auch in einer Zeit, Erfolgreich,

00:06:01: wo wir sehr, sehr oder einige,

00:06:04: eine Handvoll wirklich Weltklassewerferinnen hatten,

00:06:06: die in einem hohen 60er bis 70er Niveau auch regelmäßig abliefern konnten.

00:06:13: Das war hin und wieder natürlich ein Nachteil.

00:06:16: Dann hast du mit einer tollen Weite die Silbermedaille gewonnen.

00:06:20: Aber auf der anderen Seite auch ein Vorteil,

00:06:22: weil es einfach auch Konkurrenz belebt, das Geschäft.

00:06:25: Und das war eine wahnsinnig tolle Zeit. Wir waren attraktiv.

00:06:28: Der Sperrwurf in Deutschland war... war gesehen und wie gesagt,

00:06:34: es gab mit Stefinarius Linda Stahl, Katharina Molitor,

00:06:37: so viele erfolgreiche Sperrwerferinnen auch und das war eine tolle Zeit.

00:06:40: Ich muss ganz ehrlich sagen, wäre ich jetzt unterwegs,

00:06:43: es wäre fast schon langweilig.

00:06:45: Ich glaube nicht, dass das so wahnsinnig motivierend ist,

00:06:51: wenn man da ganz alleine auf weiter Flur unterwegs ist. Insofern glaube ich auch,

00:06:56: ich habe davon profitiert und deswegen auch die Spitzenweiten erzielt,

00:06:58: weil wir Konkurrenz hatten.

00:07:01: Jetzt waren da natürlich, Sie haben Medaillen gesammelt,

00:07:04: Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, natürlich Olympia.

00:07:08: Einmal ist es Gold geworden, mehrfach Silber, insgesamt glaube ich acht.

00:07:15: Sie hätten vielleicht früher schon eine Goldmedaille gewinnen können.

00:07:17: Ich habe gelesen,

00:07:18: dass die Goldmedaille in Moskau verknüpft war mit einer Wette mit Ihrem Mann.

00:07:25: Hätten Sie vielleicht schon früher wetten sollen?

00:07:27: Vielleicht können Sie kurz erzählen, was da war.

00:07:28: Ich habe immer gewettet. Ah.

00:07:31: Also auch mit meinem langjährigen Trainer Werner Daniels gab es immer Wetten.

00:07:35: Das war immer etwas, was mich motiviert hat.

00:07:37: Da ging es los mit kleinen Wetten im Trainingsalltag,

00:07:41: wo es um eine Apfelschorle ging oder mal auch um eine Pizza.

00:07:44: Und dann nahm das die Dinge ihren Lauf.

00:07:47: Als ich dann meinen Lebenspartner Boris Henry kennengelernt hatte,

00:07:50: ging das dann los mit Wetten. Wenn du beim Wettkampf über 66 Meter wirfst,

00:07:54: dann kriegst du ein Pandora-Teilchen.

00:07:58: Die Wetten lagen uns immer nah.

00:08:03: Diese Wette um den Namen, das ist etwas,

00:08:05: wo wir ein bisschen reingeschlittert sind, würde ich mal behaupten wollen.

00:08:09: Also Sie haben mit Ihrem Mann gewettet, wenn Sie die Goldmedaille holen,

00:08:14: dann übernimmt er bei der Heirat Ihren Namen als Familienarzt.

00:08:18: Korrekt. Die Hochzeit stand ja im September an

00:08:21: und die Weltmeisterschaft war im August gewesen.

00:08:25: Und im Vorbereitungs-Trainingslager in Portugal,

00:08:28: damals im März, haben wir gesprochen.

00:08:29: Und dann war so ein bisschen die Frage, wie machen wir das mit unseren Namen?

00:08:32: Er als sehr erfolgreicher Sperrwerfer seinerzeit. Und ich eben auch.

00:08:37: Und dann war so die Frage, was machen wir?

00:08:40: Und er meinte, also Doppelnamen geht für mich gar nicht.

00:08:42: Finde ich ganz, ganz schrecklich.

00:08:43: Und dann Oberquell Henry, Henry Oberquell und nein.

00:08:46: Und wenn jeder seinen Namen behält, dann ist es mit den Kindern.

00:08:49: Wenn wir Kinder bekommen, ist das dann irgendwie doof. Das möchte ich auch nicht.

00:08:52: Und dann ging das hin und her. Und irgendwann kam dann mir die Idee, okay,

00:08:55: pass auf, mir ist es echt auch total wurscht.

00:08:57: Ich finde Henry übrigens einen wunderschön klingenden Namen. Ja.

00:09:03: Aber ich sage, wenn ich einmal Gold gewinnen würde,

00:09:06: dann fände ich es irgendwie auch ganz cool, meinen Namen zu behalten.

00:09:09: Und da kam uns dann die Idee, okay,

00:09:10: wenn es Gold wird, nehmen wir Obergeföll und bei einem anderen nehmen wir Henry.

00:09:15: Und schwuppsiwupps war die WM.

00:09:18: Da vor der Tür und ich habe das Ding für mich entschieden

00:09:22: und der Fehler war lediglich,

00:09:23: dass ich in der Pressekonferenz im Vorfeld eben auf Nachfragen,

00:09:29: Christina, gibt es noch irgendwas, was du uns erzählen möchtest, eben gesagt habe,

00:09:33: ja, wir haben so eine kleine Wette am Start.

00:09:35: Und dann nahmen die Dinge ihren Lauf. Ich kam aus dieser Nummer

00:09:38: oder wir kamen aus dieser Nummer auch fast nicht mehr raus.

00:09:41: Das hat wirklich extrem eingeschlagen.

00:09:43: Das war ja fast schon wichtiger oder höherwertiger als diese Goldmedaille,

00:09:48: diese Geschichte um diese Namen. Und das hat schon auch ein bisschen in

00:09:52: der Gesellschaft etwas irgendwie so ein bisschen bewegt. Ich erinnere mich,

00:09:57: dass es das SWR damals eine Umfrage gemacht hat auf

00:10:00: dem Königsplatz in Stuttgart.

00:10:07: Warum muss immer die Frau den Namen abgeben an den Mann? Warum ist das so?

00:10:11: Da haben wir ein bisschen was angeregt angestoßen.

00:10:14: Also Gold, war das auch die Sternstunde der Athletin Obergefühl 2013 in Moskau?

00:10:21: Ja. Also was auch mir in unwahrscheinlich guter Erinnerung ist

00:10:28: oder was für mich so auch einer

00:10:29: der emotionalsten Höhepunkte in meiner sportlichen Karriere war,

00:10:32: war tatsächlich 2005 Helsinki.

00:10:34: Diese überragende Silbermedaille mit einem neuen Europarekord.

00:10:40: Die zweite Frau auf der Welt, die über 70 Meter wirft.

00:10:43: Das war schon grandios, war aber eben am Ende...

00:10:47: in Anführungsstrichen nur Silber, weil eben die Kontrahentin,

00:10:52: die Kubanerin, einen Weltrekord aufgestellt hatte in diesem Wettbewerb.

00:10:56: Sonst wäre vielleicht auch das die Sternstunde gewesen.

00:11:01: Aber die gehört schon auch wirklich ganz, ganz oben mit dazu.

00:11:04: Und dann war es einfach dieser lang, lang ersehnte Wunsch und Traum und das große,

00:11:10: große Ziel, dann eben einmal ganz oben stehen zu dürfen.

00:11:13: Und das ist mir auch in der Jugendzeit,

00:11:14: also viele ehemalige oder Sportlerinnen und Sportathleten haben eben in

00:11:19: der Jugend oder Juniorenzeit schon auch Titel,

00:11:22: die sie einfahren in der U23 oder in der U20,

00:11:25: wo sie Weltmeister oder Europameister werden.

00:11:26: Das ist mir alles verwehrt geblieben oder das habe ich damals nicht geschafft.

00:11:30: Und insofern war das eben der große Traum,

00:11:32: einmal die Hymne hören zu dürfen, einmal ganz oben stehen zu dürfen.

00:11:37: Das war dann einfach mit 2013 nach so unfassbar langer Zeit,

00:11:42: nach acht Jahren auch,

00:11:44: nach diesem Wettbewerb in Helsinki, war das schon die Sternstunde.

00:11:47: Und das wurde ja dann auch im Grunde unterstrichen.

00:11:50: Ich bin dann in dem Jahr auch zur Sportlerin des Jahres gekürt worden,

00:11:54: hier in Baden-Baden.

00:11:56: Und das war schon, also das war das absolut schönste und grandioseste Jahr,

00:12:02: das ich mir hätte überhaupt nur träumen und wünschen können,

00:12:05: auch mit der Hochzeit noch. Das war wirklich fantastisch.

00:12:07: Das heißt, in dem Jahr haben Sie abgeräumt, was abzuräumen war.

00:12:10: Alles abgeräumt, bin auch noch schwanger geworden.

00:12:13: Das wusste ich ja beim Sportler des Jahres schon.

00:12:15: Da durfte ich damals noch nicht oder wollte ich das noch nicht beitreten.

00:12:20: Das war... Also unvergessen und sehr, sehr emotional.

00:12:24: Jetzt haben Sie ja, wie gesagt, eine schöne Medaillensammlung,

00:12:27: auch mit Bronze, Silber und natürlich der Goldmedaille.

00:12:30: Wie geht es einem denn als Sportlerin selbst?

00:12:32: Der zweite Platz ist ja schon oft in

00:12:36: der allgemeinen Betrachtung der Verliererplatz.

00:12:38: Kann man sich richtig freuen oder ist man dann eher enttäuscht?

00:12:42: Mann, es hat doch nicht zum obersten Platz auf dem Podest gereicht.

00:12:48: Ich bin der Meinung, es ist ganz wichtig zu unterscheiden,

00:12:51: bist du Silbermedaillengewinnerin mit einem fantastischen Ergebnis,

00:12:56: wie ich es in Helsinki produziert habe,

00:12:59: dann ist für mich der zweite Platz, dann bist du ein Gewinner.

00:13:04: Wenn du aber unter deinen Möglichkeiten zurückbleibst

00:13:09: und enttäuscht bist und nicht das abrufen konntest,

00:13:12: was du eigentlich abrufen hättest können, Dann ist es schon eine Enttäuschung

00:13:18: und das war eben bei mir in einigen Wettkämpfen der Fall,

00:13:22: dass ich im Vorfeld eben viele Wettbewerbe für mich entscheiden konnte,

00:13:28: oft als Weltjahresbeste auch angereist bin

00:13:30: und es hätte dann immer klappen sollen und es hat dann eben nicht geklappt.

00:13:35: Und dann war das immer so ein bisschen mit einem Stück Enttäuschung natürlich dabei.

00:13:39: Klar, heute tatsächlich blicke ich da ganz anders darauf zurück.

00:13:43: Heute sage ich, hey, Mann, hast du viel erreicht.

00:13:47: Und wie Sie eben eingangs auch in der Vorstellung sagten,

00:13:51: eine der erfolgreichsten Leichtathletinnen Deutschlands,

00:13:54: das war mir damals gar nicht so bewusst.

00:13:57: Man war da so in seinem Tunnel oder in seinem Treiben und Wie gesagt,

00:14:03: heute habe ich da eine ganz andere Perspektive drauf und bin viel,

00:14:08: viel stolzer auf das, was ich erreicht habe,

00:14:10: als ich das tatsächlich seinerzeit war.

00:14:12: Spielen die Medaillen manchmal noch irgendwie eine Rolle im Alter,

00:14:15: dass die Jungs vielleicht mal sagen, naja.

00:14:17: Also jetzt habe ich eine ganz lustige Anekdote.

00:14:19: Wir haben viele, viele Jahre unsere Medaillen in den Schubladen gehabt.

00:14:24: Und ich habe gesagt, es kommt mir keine Vitrine ins Haus,

00:14:27: bis die Karriere nicht beendet ist.

00:14:29: So, dann haben wir irgendwann beschlossen, eine Vitrine zu kaufen,

00:14:32: weil ich sage, es ist doch irgendwie schade,

00:14:34: die ganzen schönen Stücke da so ein bisschen wie so ein Buch irgendwie in

00:14:38: die Schublade zu schmeißen und haben uns eine Vitrine angeschafft,

00:14:42: haben da unsere besten Stücke auch und Pokale und Diamond League und alles drin.

00:14:47: Und die Jungs, also unsere Kinder,

00:14:50: haben das natürlich immer wahrgenommen und entwickeln jetzt auch das Bewusstsein,

00:14:56: was eigentlich da im Schrank liegt.

00:14:59: Das ist lustig, weil es ist noch kein Jahr her,

00:15:02: wo mich mein Sohnemann gefragt hat, Mama, warst du eigentlich Weltmeisterin?

00:15:07: Also wir haben das auch gar nicht so sehr thematisiert. Und unser Großer,

00:15:13: der macht auch Leichtathletik

00:15:14: und der hatte jetzt letztens Batsche-Meisterschaften

00:15:18: und wurde dort Dritter. Und er war so unglaublich stolz, er sagte, Mama,

00:15:23: Ich habe die Medaille in die Vitrine gelegt. Die hat Zuwachs

00:15:27: bekommen, die anderen haben Zuwachs

00:15:28: bekommen.

00:15:28: Jetzt bekommen wir also in dieser Vitrine Zuwachs von unseren Kindern.

00:15:34: Insofern ja, wir haben die schon in der Wohnung...

00:15:39: im Wohnzimmer stehen und hin und wieder brauche ich auch mal einen Edelmetall,

00:15:45: um auch Veranstaltungen zu präsentieren oder dabei zu haben,

00:15:49: weil vielleicht auch ein Kunde sagt, bringe Medaillen mit.

00:15:52: Und dann packe ich die auch mal gerne ein und lasse die mal umgehen.

00:15:55: Wie ist es, wenn Sie heutzutage im Wettbewerb anschauen,

00:15:58: im Fernsehen oder selbst im Stadion sind? Was ist das für ein Gefühl,

00:16:02: wenn man jetzt in der Position des Betrachters, der Betrachterin ist?

00:16:07: Ich finde es super.

00:16:09: Also da kommt immer nur so ein ganz kurzes Aufblitzen von, boah,

00:16:14: wäre das jetzt cool, da unten zu stehen und selbst werfen zu dürfen.

00:16:19: Aber recht schnell tritt dann wieder die Realität ein,

00:16:21: die dir sagt, okay, das wird eine Illusion bleiben.

00:16:28: Du bist nicht mehr in der Lage,

00:16:29: irgendwie da vorne mitzuwerfen oder 65 Meter plus zu werfen.

00:16:33: Und dann finde ich es einfach nur schön, das sehen zu können, verfolgen zu dürfen.

00:16:38: Ich habe dann trotzdem Gänsehautmomente. Wenn irgendein Athlet,

00:16:43: eine Athletin über sich hinaus wächst oder einfach Leistungen erzielt,

00:16:48: wo dann das Stadion halt tobt, das sind schon Momente, die sind einzigartig.

00:16:52: Ich finde das nach wie vor unwahrscheinlich schön.

00:16:55: Und diese emotionalen Momente,

00:16:56: die dir aus meiner Sicht doch fast nur der Sport schenken kann,

00:16:59: das finde ich großartig.

00:17:00: Was ich dann aber auch wieder auf der anderen Seite großartig finde, ist,

00:17:05: wenn ein Athlet nicht performt oder enttäuscht, eine Athletin,

00:17:10: dass ich das nicht mehr haben muss. Dass ich sage, boah,

00:17:16: wenn es klappt, stehst du auf der Sonnenseite, lässt sich feiern,

00:17:18: aber wenn es halt eben nicht klappt, dann hast du daran, wochenlang zu knabbern,

00:17:24: Und das tatsächlich vermisse ich nicht mehr.

00:17:27: Und wenn ich im Stadion sitze, denke ich heute wie oft,

00:17:29: man, habe ich mir eine Platte gemacht?

00:17:31: Ich hätte so oft eigentlich entspannter sein können.

00:17:33: Was macht denn der Zuschauer letzten Endes? Der ist auch enttäuscht,

00:17:38: aber der verlässt das Stadion

00:17:40: und spätestens am nächsten Tag hat er vermutlich vergessen,

00:17:45: dass jetzt da irgendeine Athletin oder ein Athlet nicht so performt hat.

00:17:49: Und das ist mir oft schwergefallen,

00:17:51: das aus dieser Perspektive tatsächlich zu betrachten,

00:17:53: weil da kann man auch ganz, ganz viel Druck von sich nehmen,

00:17:56: wenn man aus der Perspektive rangeht.

00:17:59: Und vor allen Dingen, Sie haben sich ja monatelang vorbereitet auf die Wettkämpfe.

00:18:02: Das ist ja die Zeit, die man als Außenstehender gar nicht sieht.

00:18:06: Wie kommt man denn überhaupt als junge Frau zum Speerwerfen?

00:18:09: Also wie kommt man zum Speerwerfen?

00:18:11: Ich habe als junges Mädchen im Alter von sechs Jahren

00:18:14: mit der Leichtathletik angefangen.

00:18:16: Und habe auch mein Herzblut an dieser Sportart verloren.

00:18:20: Hat mir großen Spaß, große Freude bereitet.

00:18:22: Bin von der Übungsleiterin dahin geschickt worden.

00:18:24: Ich war im Kinderturnen und die sagte, hey Christina,

00:18:26: kannst gut laufen, gut rennen und bewegst dich gut. Geh mal in den Leichtathletik.

00:18:29: Da bist du, glaube ich, ganz gut aufgehoben. Gesagt, getan.

00:18:32: Ich war Leichtathletin. Und in der Leichtathletik machst du dann in

00:18:35: den ersten Jahren ja klassischerweise Dreikampf, Vierkampf,

00:18:39: also Springen, Laufen, Werfen.

00:18:42: Ich konnte auch immer schon wirklich ganz gut Ball werfen.

00:18:45: Das lag mir irgendwie im Blut.

00:18:49: Ich habe auch mit meinem Bruder schon früh Tennisbälle übers Hausdach geworfen.

00:18:54: Übers Hausdach, zum Nachbarn oder wie?

00:18:56: Nein, also hinten in den Garten und wieder vorne auf die Straße.

00:18:59: Das haben wir gemacht. Oder am Baggersee haben wir auch nicht nur hier Steine,

00:19:03: wie nennt es sich, flüchten lassen, sondern auch auf den See geworfen.

00:19:09: Und ich konnte immer schon ganz gut werfen.

00:19:11: Aber nichtsdestotrotz war ich lange Zeit Meerkämpferin.

00:19:14: Wäre auch, glaube ich, eine ganz gute Meerkämpferin geworden.

00:19:17: Aber in die absolute Spitze.

00:19:19: Da glaube ich schon, habe ich die richtige Entscheidung getroffen,

00:19:23: auch mit der Spezialisierung auf den Sperrwurf.

00:19:28: Ich habe dann im Jahr 97 die Qualifikation gehabt für

00:19:34: die Deutschen Jugendmeisterschaften in der Einzeldisziplin Sperrwurf.

00:19:38: Und da hatte mein Trainer gesagt, Christina, da wirfst du mit und hat mir

00:19:40: das erste Mal in meiner Karriere ein paar spezielle Sperrwurfspeiks vor

00:19:43: die Füße geworfen und sagt, ja komm, damit kannst du besser stemmen.

00:19:46: Und schwupsiwups wurde ich Zweite mit zwei Zentimeter Rückstand,

00:19:50: dann Aufnahme Bundeskater, dann durfte ich beim Länderkampf dabei sein,

00:19:54: den nationalen Farben oder das Trikot tragen, Nationaltrikot.

00:19:57: Und das hat mich dann unwahrscheinlich motiviert

00:20:00: und wir haben dann gemeinsam beschlossen, okay, ich glaube...

00:20:04: Wir trainieren mal ein bisschen mehr Sperr,

00:20:06: machen mal ein bisschen Krafttraining. So ein bisschen Krafttraining?

00:20:10: Ja, so ein bisschen Krafttraining.

00:20:11: Also es war wirklich noch ganz in den Kinderschuhen.

00:20:14: Ich war da noch sehr unbedarft und dann haben wir ein bisschen angefangen

00:20:16: mit Gewichten oder mit dem eigenen Körpergewicht auch mehr zu arbeiten.

00:20:19: Und dann habe ich direkt wirklich extrem meine Leistungen verbessert

00:20:23: und damit war die Entscheidung gefallen.

00:20:26: Ich habe gelesen, schon mit elf hatten Sie die Vision,

00:20:28: ich werde mal Olympiasiegerin oder ich möchte Olympiasiegerin werden.

00:20:32: Mit elf Jahren habe ich die Olympischen Spiele

00:20:35: das erste Mal bewusst am Fernsehen wahrgenommen

00:20:37: und habe dann damals tatsächlich gesagt, Oma,

00:20:41: schau ganz genau hin, da will ich auch mal dabei sein.

00:20:44: Dabei sein, das war das große Ziel.

00:20:47: Aber in welcher Disziplin, das wusste ich noch nicht.

00:20:51: Aber ich wollte zu diesen Olympischen Spielen.

00:20:54: 2004 war es zum ersten Mal der Fall.

00:20:57: 2004 auch mit Athen dann gelungen.

00:21:00: Als 23-Jähriger, oder? War das richtig? Ja.

00:21:04: Wenn man jetzt so viel durch die Welt gereist ist und so weiter,

00:21:08: so viele Eindrücke sieht man denn als Sportler

00:21:10: oder als Sportlerin auch neben den Wettkämpfen tatsächlich was vor Ort?

00:21:15: Ist da noch ein bisschen Sightseeing möglich oder ist das alles schnell vorbei?

00:21:19: Ist eher schnell vorbei. Wenn wir auf Wettbewerbe gefahren sind,

00:21:24: wie in der Diamond League, dann ist im Grunde am Tag vorm Wettbewerb die Anreise,

00:21:29: dann tags darauf ist der Wettkampf und am Tag danach fliegst du wieder nach Hause,

00:21:34: weil du natürlich im Saisonverlauf auch in der Vorbereitung auf

00:21:37: den jeweiligen Jahreshöhepunkt trainieren musst,

00:21:40: weil dann noch Studium war oder solche Themen. Insofern gab es da nicht viel Zeit

00:21:46: und der Otto Normal denkt ja irgendwie auch immer, man hat...

00:21:49: Bei Olympischen Spielen irgendwie, da nimmt man alles mit.

00:21:52: Aber auch da ist es tatsächlich so,

00:21:54: ich habe nicht eine Olympische Eröffnungsfeier miterleben dürfen

00:21:58: oder können. Keine? Nein, keine. Bei vier Olympischen Teilnahmen,

00:22:01: weil die Leichtathletik eben immer im zweiten Drittel auch erst startet.

00:22:06: Und somit war für uns die Anreise immer später.

00:22:08: Wir waren dann im Vorbereitungscamp,

00:22:10: sind dann auch immer erst unmittelbar vor dem Wettkampf ins Dorf rein,

00:22:13: weil dort eben auch viel Trubel ist und Hektik herrscht.

00:22:16: Und somit gab es für mich immer nur die Abschlussfeiern und meinen Wettbewerb.

00:22:20: Und natürlich hat man dann dort schon mal noch ein bisschen Zeit gehabt,

00:22:24: das ein oder andere anzuschauen.

00:22:25: Also in Peking habe ich es mir dann auch nicht leben lassen,

00:22:27: mal an die chinesische Mauer zu fahren.

00:22:31: Aber es ist schon immer so eher rein, raus, aus die Maus.

00:22:35: Also es ist nicht mit viel Zeit und Sightseeing in intensiver Form verbunden.

00:22:41: Also so eine Woche Strandurlaub oder zwei Wochen noch dazu buchen,

00:22:45: das war nie möglich.

00:22:48: Leider oder im Grunde auch nicht, weil wir nach der Weltmeisterschaft

00:22:51: oder nach Olympischen Spielen auch immer noch ein paar Wettkämpfe hatten.

00:22:55: Dann war oft noch in Zürich das große Diamond League Finale

00:22:58: und das sind schon Wettbewerbe,

00:22:59: wo du auch noch ein bisschen dich vorbereiten möchtest

00:23:01: und was zeigen möchtest.

00:23:02: Da geht es dann am Ende des Tages auch mal ein bisschen darum, Geld zu verdienen.

00:23:05: Und insofern hat man auch da nie in Urlaub drangehangen.

00:23:09: Aber das war für mich auch nicht schlimm. Man hat auch diese Wettkämpfe nach

00:23:13: dem Höhepunkt auch nochmal ein bisschen anders genießen können.

00:23:16: Da ging es dann schon ein bisschen entspannter und lockerer zu.

00:23:18: Das merkst du auch innerhalb der Leichtathletik, des Zirkus,

00:23:21: der sich so miteinander bewegt. Da ist es im Hotel einfach,

00:23:24: da ist die Stimmung schon etwas lockerer und gelassener.

00:23:28: Und das hat schon auch immer großen Spaß gemacht.

00:23:30: Da saß man dann auch wirklich mal abends auch mit den teilweise Reportern

00:23:35: oder so zusammen von Eurosport oder so und hat ein Glas Wein gedrungen.

00:23:38: Also das war dann schon auch in Lausanne auch

00:23:42: schöne Momente gehabt am See unten und so.

00:23:44: Also es gibt wirklich Schlimmeres als das.

00:23:45: Und Urlaub hast du ja dann auch nach Abschluss der Saison.

00:23:48: Das ist eben gesonderte Urlaub dann. Jetzt waren Sie ja Hochleistungssportlerin.

00:23:54: Gibt es noch irgendwelche Erfahrungen, Techniken,

00:23:58: Kenntnisse, Fertigkeiten aus Ihrer Zeit, wo Sie sagen,

00:24:01: das kann ich heute in meinem Leben

00:24:03: oder vielleicht auch für eine Sportart noch ganz gut nutzen, gebrauchen?

00:24:07: Gibt es da was, wo Sie noch zurückgreifen können auf Ihren reichen Erfahrungsschatz

00:24:12: als Hochleistungssportlerin?

00:24:15: Also jetzt im Sportkontext gesprochen, sage ich natürlich,

00:24:19: dass viele, viele Jahre Krafttraining ist etwas, was mir heute noch zugutekommt,

00:24:24: aber einfach auch generell ein Leben lang Sport gemacht zu haben,

00:24:27: davon profitiere ich mein Leben lang.

00:24:30: Und hier auch jetzt um den Kreis zu schließen für das ganze Leben,

00:24:36: für die Berufswelt, für den Alltag, gibt es so unfassbar viele Parallelen,

00:24:41: die sich ergeben oder die man ziehen kann, was man im Sport alles lernt,

00:24:48: was man übertragen kann auf den Berufsalltag.

00:24:54: Natürlich sind das oft klassische Momente wie den Umgang mit Niederlagen.

00:25:00: den, glaube ich, lernt man nirgendwo besser als im Sport.

00:25:05: Da auch eine gewisse Resilienz zu entwickeln,

00:25:07: eine gewisse Widerstandsfähigkeit zu entwickeln.

00:25:10: Ist da bei Ihnen nach einer Niederlage erstmal tiefe Niedergeschlagenheit?

00:25:14: Oder wie bauen Sie sich dann wieder auf?

00:25:15: Natürlich ist da Niedergeschlagenheit.

00:25:17: Und das ist auch etwas, was ich heute auch erzähle in Vorträgen,

00:25:21: dass auch resiliente Menschen nicht einfach so über eine Niederlage

00:25:26: oder über einen schwierigen Moment hinwegwischen können.

00:25:29: Das funktioniert nicht. Das wäre auch nicht normal.

00:25:33: Aber was man diesen Menschen zuschreibt und was ich auch glaube,

00:25:36: was eben der Sport mich gelehrt hat, ist,

00:25:38: dass man den Blick doch als bald auch wieder nach vorne richten kann.

00:25:42: Da brauchst du natürlich dann im ersten Moment auch ein bisschen das Umfeld,

00:25:45: das stimmen muss, dein Team, das stimmen muss.

00:25:49: Wenn du auf der Arbeit irgendwo ein Projekt hast,

00:25:51: was schief geht, dann ist es auch wichtig, jemanden zu haben, der dir sagt,

00:25:55: die Schulter klopft oder irgendwie sagt, komm, hey Mensch, Kopf hoch,

00:25:58: wir schauen wieder nach vorne, ist jetzt scheiße gelaufen,

00:26:00: aber miteinander kriegen wir das hin. Und ich war ja eine Individualsportlerin

00:26:05: und trotz allem habe ich immer diese Menschen,

00:26:07: das hat sich ja auch natürlich weiterentwickelt über

00:26:11: die Jahre hinweg mit den Erfolgen,

00:26:12: dass du ein Team hattest aus Experten und da waren eben dann auch Menschen dabei.

00:26:17: Die Menschen, die gehofft haben, die die Daumen gedrückt haben, dass es klappt,

00:26:21: die aber auch dann in den Momenten der Niederlagen

00:26:22: und Rückschlägen für mich da waren,

00:26:25: Und mir wieder geholfen haben zu sagen, hey, pass auf,

00:26:29: was ist denn eigentlich passiert so Schlimmes?

00:26:31: Man hat dann auch wieder den Blick nach vorne

00:26:33: und auch ins Positive richten können. Zu sagen, ja, stimmt eigentlich.

00:26:39: Das fällt schwer. In der ersten Zeit fällt das schwer.

00:26:42: Zu sagen, was ist eigentlich Schlimmes passiert?

00:26:45: Meine Güte, du bist jetzt Vierte geworden. Ja, das ist scheiße, aber...

00:26:50: Vierte in der Welt muss man trotz allem auch erstmal werden.

00:26:54: Das fällt auch noch schwer. Aber hallo, ich habe mich nicht verletzt. Ah, stimmt.

00:26:58: Nächste Seite in den Olympischen Spielen.

00:27:00: Ich habe mich nicht irgendwie schwer verletzt.

00:27:02: Also diesen Optimismus auch wieder zurückzugewinnen,

00:27:06: positiv zu bleiben, nach vorne zu schauen, Lösungen zu finden,

00:27:12: auch Verantwortung stückweit zu übernehmen für sein Handeln.

00:27:18: Zu sagen, okay, ich habe es jetzt verbockt, aber was habe ich falsch gemacht

00:27:23: und was kann ich vielleicht beim nächsten Mal besser machen, anders machen?

00:27:27: Das sind alles Dinge,

00:27:27: die ich im Sport gelernt habe und die wir auch im Leben brauchen.

00:27:31: Und Dinge, die Sie inzwischen weitergeben.

00:27:33: Sie sind Gesundheitsbotschafterin bei der Barmer.

00:27:36: Der Weg dahin, um in diesem Berufsfeld aktiv zu werden,

00:27:40: der war schon früh für Sie. Ich glaube, Sie haben die Ausbildung,

00:27:43: das Studium schon parallel zu Ihrer Karriere gemacht. Ist das richtig?

00:27:47: Richtig. Ich habe während meiner aktiven Zeit dann einen Master gemacht.

00:27:52: Also erst den Bachelor,

00:27:53: dann später den Master in Prävention und Gesundheitsmanagement.

00:27:57: Bin dann in der aktiven Zeit bereits bei

00:27:59: der Barmer im Kontext des Projektes

00:28:05: Deutschland bewegt sich schon mit ins Team gekommen.

00:28:08: Habe dann viele Jahre die Events dort mit begleitet. Also da ging es damals darum,

00:28:13: einfach auch die Menschen in den Städten für mehr Bewegung zu begeistern.

00:28:16: Sportvereine, die sich vorgestellt haben, dort einfach auch die Bedeutung

00:28:22: der Bewegung oder der Prävention generell auch zu unterstreichen.

00:28:26: Und so kam dann eben auch durch mein Studium irgendwann die Möglichkeit,

00:28:31: in der Barmer richtig zu landen. Und dort auch heute wirklich das große Glück,

00:28:37: oder für mich ist es auch ein Geschenk, dass ich das tun darf,

00:28:41: was ich tue, nämlich in Unternehmen zu gehen oder auf Veranstalten zu gehen

00:28:45: und dort die Menschen wirklich zu sensibilisieren oder Impulse zu geben,

00:28:48: wie wichtig das Thema Gesundheit,

00:28:50: wie wichtig das Thema Bewegung ist, Gesunde, ausgewogene Ernährung,

00:28:56: das Thema Stressmanagement, all diese Themenfelder beackere ich dort.

00:29:02: Und das ist etwas, was mir natürlich in Fleisch und Blut übergegangen ist,

00:29:06: was ich aber dann eben durch

00:29:08: den Hintergrund auch im Beruflichen jetzt auch unterstreichen kann

00:29:12: mit einer gewissen Expertise. Und ich lebe das auch.

00:29:16: Wie bewegen Sie sich im Alltag?

00:29:17: Sie haben einen Hund, haben Sie vorhin im Vorgespräch schon erzählt.

00:29:20: Wie sieht der Alltag,

00:29:21: der sportliche Alltag von Christina Obergeföll heutzutage aus?

00:29:25: Ja, also wie gesagt,

00:29:26: Sport ist mir in Fleisch und Blut übergegangen oder Bewegung.

00:29:30: Ich brauche das wirklich wie die Luft zum Atmen.

00:29:33: Wenn ich morgens nicht meinen Spaziergang hatte mit unserer Hündin,

00:29:37: dann kann irgendwie der Tag nicht so richtig beginnen.

00:29:40: Beziehungsweise dann merke ich, dass ich nicht so...

00:29:44: leistungsfähig oder nicht so motiviert an die Dinge rangehe,

00:29:49: wie wenn das eben der Fall ist,

00:29:50: dass ich da morgens schon in der Natur bin, Bewegung habe.

00:29:54: Das ist großartig und zusätzlich dazu mache ich natürlich auch noch,

00:30:00: wie bereits erwähnt, auch noch sehr, sehr viel Krafttraining.

00:30:03: Auch da die Bedeutung natürlich heute,

00:30:05: wenn ich einen Vortrag halte über das Thema Longevity,

00:30:08: dann wissen wir mittlerweile,

00:30:09: wie wichtig das Thema Kraftmuskulatur für unseren Körper ist,

00:30:15: um langfristig gesund zu bleiben

00:30:17: und im hohen Alter auch noch ein Stück weit Selbstständigkeit zu bewahren.

00:30:24: Alleine zurecht zu kommen,

00:30:26: durchs Leben zu gehen und daran auch noch Spaß und Freude zu haben.

00:30:29: Und das sind Themen, die ich transportiere und wie gesagt in Form von Impulsen

00:30:35: und Vorträgen weitergebe und dort auch weitergebe.

00:30:40: hoffe und so ist auch die Rückmeldung oder so ist auch meine Wahrnehmung,

00:30:44: auch immer wieder Menschen tatsächlich dann auch triggern kann

00:30:47: oder inspirieren kann, da auch sich zu verändern.

00:30:50: Es geht dann auch natürlich um gesunde Ernährung.

00:30:52: Das ist uns vielleicht allen viel mehr bewusst,

00:30:54: aber im Alltag ist es dann doch nicht immer so einfach,

00:30:57: am Eisbecher oder am Café vorbeizulaufen mit der Schwarzwälder Kirschtorte.

00:31:02: Wie schaffen Sie das im Alltag?

00:31:04: Ab und zu darf man sich aber auch mal was gründen, oder?

00:31:07: Das ist genau der springende Punkt.

00:31:10: Ich gönne mir auch oder ich muss das nicht immer schaffen,

00:31:14: an der Schwarzwälder vorbeizulaufen.

00:31:15: Wenn ich Lust habe, ein Stück Schwarzwälder zu essen,

00:31:18: dann esse ich dieses Stück Schwarzwälder. Mit Genuss dann?

00:31:29: Den Rest der Woche bin ich konsequent und das ist aber auch wieder etwas,

00:31:34: was ich eben auch verinnerlicht habe.

00:31:36: Mir macht es gar keinen Spaß, mich von Fast Food, von ungesunden,

00:31:42: industriell verarbeiteten Lebensmitteln zu ernähren. Ich kann das gar nicht.

00:31:48: Mir schmeckt es nicht. Ich merke auch, dass das mit meinem Körper etwas tut.

00:31:54: Und all diese Erfahrungen, sind es nicht wert?

00:31:59: Ich liebe auch den Kindern, unser Tag startet morgens.

00:32:03: Ich stelle zum Frühstück jeden Morgen und wenn ich um sechs Uhr

00:32:07: oder um fünf Uhr dafür aufstehen müsste,

00:32:10: gibt es auf unserem Tisch Obst und ein Glas Wasser

00:32:14: und damit wird der Tag gestartet. Und dann fangen die Kids natürlich,

00:32:17: essen die auch mal ein Toastbrot oder die essen, um Gottes Willen,

00:32:22: das ist alles im gesunden Maße.

00:32:25: Aber unterm Strich stimmt es und deswegen darf dann auch die Schwarzwälder mal sein,

00:32:31: wenn der Rest der Woche oder des Jahres dann, wenn das eben die Ausnahme bleibt.

00:32:36: Sie haben zwei Söhne im Alter von... Jetzt bald neun und zwölf. Neun und zwölf.

00:32:42: Also Sie sind natürlich Mutter und auch Elternteil.

00:32:45: Wie schaffen Sie das, Ihre Jungs da bei der Stange zu halten? Sprich auch da,

00:32:50: damit das Thema gesunde Ernährung bei denen auch im Bewusstsein bleibt.

00:32:54: Haben Sie da ein paar Tipps für Eltern?

00:32:56: Naja, prinzipiell bin ich der Meinung, ganz vieles passiert eben durchs Vorleben.

00:33:02: Was wir sehr viel und häufig machen,

00:33:05: ich nehme die Jungs auch regelmäßig mit zum Einkaufen.

00:33:08: Okay.

00:33:09: Ich bespreche dann auch mit den Kindern.

00:33:12: Ich sage, eine Sache dürft ihr euch aussuchen. Ist für mich okay.

00:33:15: Etwas Kleines, Süßes dürft ihr mitnehmen.

00:33:18: Wir gehen regelmäßig miteinander auf den Markt, um auch dort,

00:33:22: also Samstagfrüh ist der Klassiker, wenn wir alle da sind,

00:33:24: also wenn mein Mann auch nicht unterwegs ist,

00:33:26: wobei ich gehe auch mit den Jungs alleine,

00:33:27: aber wir gehen dann gerne gemeinsam auf den Markt.

00:33:30: Und dann holen wir Käse, Wurst vom Bauern und wir holen Obst und Gemüse regional.

00:33:36: Das legen wir doch auf die Herkunft. Absolut.

00:33:39: Und das sind Dinge, die man den Kindern vorlebt. Und darüber funktioniert das.

00:33:46: Wenn ich natürlich jeden Morgen

00:33:49: das Fertigprodukt aus der Plastiktüte auspacke, dann wird es schwierig.

00:33:54: Klar, die Kinder sehen das nicht anders. Woher sollen sie es wissen?

00:33:57: Und das ist mir wirklich, wie gesagt, sehr, sehr wichtig.

00:34:02: Die Kinder kommen in Kontakt mit Süßigkeiten. Das ist für mich auch okay.

00:34:07: Aber ich erkläre zu Hause, Ich predige das und ich hoffe,

00:34:11: dass dieses Predigen einfach auch einschlägt

00:34:13: und sich irgendwann bezahlt macht. Da kommt die Pubertät, natürlich,

00:34:18: das wissen auch jedes Elternteil weiß, was da passiert.

00:34:21: Die Eltern sind wahrscheinlich vermutlich doof und reden irgendwie blödes Zeug

00:34:24: und wir müssen mal uns ungesund ernähren

00:34:28: oder wir müssen auch vielleicht mal eine Zigarette ziehen. Aber ich glaube,

00:34:32: wenn die Dinge zu Hause nicht passieren,

00:34:33: dann werden die auch irgendwann so erwachsen

00:34:35: und so vom Bewusstsein wieder darauf hin zurückkommen,

00:34:41: was sie viele Jahre zu Hause vorgelebt bekommen.

00:34:44: Was ist leichter, eine Medaille beim sportlichen Wettbewerb,

00:34:47: Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft zu gewinnen

00:34:50: oder diese Gedanken bei den Kindern im Bewusstsein zu halten?

00:34:57: Also es ist beides tatsächlich Arbeit, viel Arbeit.

00:35:02: Das eine ist Training, um sportlich erfolgreich sein zu können,

00:35:06: Disziplin, Wille, Durchhaltevermögen. Und das andere,

00:35:12: aber trotz allem auch vergleichbar,

00:35:14: ist auch viel Arbeit und immer wiederkehrendes Wiederholen.

00:35:23: predigen. Also einfach konsequent bleiben und dranbleiben.

00:35:27: Absolut.

00:35:28: Das habe ich in meiner Zeit auch gelernt und deswegen kann ich das auch ganz gut.

00:35:33: Konsequenz Ich bin konsequenter als mein Mann.

00:35:36: Wollte ich gerade nachfragen.

00:35:38: Das ist ja oftmals in der Familie so, dass es aufgeteilt ist.

00:35:43: Jetzt sind Sie ja eine sehr sportliche Familie.

00:35:47: Beide Elternteile kommen vom Speerwurf. Das heißt,

00:35:50: da wachsen zwei Speerwurf-Talente nach im Hause Obergefühl? Ja.

00:35:55: Also das Wurftalent können sie nicht verstecken.

00:36:00: Die haben schon beide ein gewisses Talent zum Werfen.

00:36:04: Aber unser Großer spielt Tennis jetzt und macht Leichtathletik.

00:36:07: Und er sagt, er möchte Mehrkämpfer werden oder Tennisspieler.

00:36:11: Okay.

00:36:12: Und der Kleine macht leichter tätig und Handball, kann sehr gut werfen.

00:36:18: Aber wir werden sehen, wir sind beide nicht diejenigen,

00:36:22: die die Kids jetzt irgendwie zwingen

00:36:25: oder irgendwie in irgendeine Richtung da drängen oder extrem Druck auferlegen,

00:36:31: dass die Kinder da einen gewissen Weg einschlagen müssen.

00:36:35: Wir gehen da relativ entspannt ran. Die Kinder sollen sich bewegen.

00:36:38: Die Kinder sollen auch hier konsequent bei einer Sache bleiben.

00:36:42: Die durften ein bisschen ausprobieren.

00:36:44: Beim Kleinen ist noch so ein bisschen Findungsphase,

00:36:46: aber jetzt mittlerweile auch schon eine gewisse Richtung,

00:36:49: wo ich sage, okay, wenn ihr etwas anfangt, dann wird das aber auch gut.

00:36:53: durchgezogen und die sollen ihren Sport machen,

00:36:56: sollen Spaß haben an Bewegung, an auch so vielen Themen,

00:37:03: die der Sport uns ja auch lehrt.

00:37:05: Fairness, Respekt, den Umgang miteinander, all diese Dinge.

00:37:10: Und das lernen sie und wo sie dann am Ende mal landen,

00:37:15: ob das mal erfolgreich sein wird,

00:37:16: ob die Kinder in die Fußstapfen der Eltern treten, Keine Ahnung.

00:37:22: Mittlerweile merke ich natürlich,

00:37:24: dass man so eine gewisse, jetzt waren Stadtmeisterschaften,

00:37:26: gestern hat der Sohnemann die Stadtmeisterschaften,

00:37:28: das Finale gespielt und dann hat man jetzt schon mittlerweile so Momente,

00:37:31: wo man denkt, naja, wäre irgendwie schon ganz cool,

00:37:32: wenn die Kinder auch mal sportlich erfolgreich sind.

00:37:36: Das macht dich schon echt extrem stolz.

00:37:40: Andererseits verstehe ich auch mehr meine Eltern,

00:37:41: die immer so unwahrscheinlich gelitten haben,

00:37:45: wenn sie im Stadion saßen, immer mitgefiebert.

00:37:47: Und dann auch, wenn es dann nicht geklappt hat,

00:37:50: wie heftig das auch ist, habe ich damals nicht so sehr auf dem Schirm gehabt.

00:37:57: Du warst mit dir beschäftigt, genau. Und heute verstehe ich das mehr.

00:38:02: Insofern, wir lassen es auf uns zukommen und schauen mal,

00:38:08: was die Kinder daraus machen.

00:38:09: Haben Sie vielleicht einen Tipp für Eltern,

00:38:11: wie man Kinder an Sport ranführen kann, wie man auch mit dazu beitragen kann,

00:38:15: dass die Kinder einen Sport finden,

00:38:16: der ihnen auch vielleicht auch riesen Spaß macht?

00:38:21: Also prinzipiell haben Kinder immer Spaß an Bewegung.

00:38:26: Wer mir erzählt, dass ein Kind keinen Spaß an Bewegung hat,

00:38:30: Kann ich nicht nachvollziehen.

00:38:32: Also als Kinder bewegen wir uns intrinsisch oder einfach,

00:38:38: wir lernen ja, wir lernen das Gehen als Babys schon

00:38:41: und insofern Bewegung ist uns ja auch

00:38:45: dem Mensch gegeben. Und dann ist es wichtig,

00:38:49: dass man natürlich ein bisschen auch

00:38:52: Dass man die Kinder nicht zu irgendwas zwingt oder in eine Rolle da drängt,

00:38:57: wo die vielleicht gar nicht hin möchten, sondern dass man

00:38:59: die Kinder natürlich schon in jungen Jahren herausfinden lässt,

00:39:06: wo sie Spaß haben.

00:39:08: Wenn ich das leisten kann oder überblicken kann, dann schaue ich natürlich,

00:39:12: wo haben sie vielleicht ein bisschen Talent.

00:39:14: Aber die Kinder äußern das eigentlich in aller Regel schon selbst.

00:39:18: Und dann ist einfach wichtig, dass natürlich auch vielleicht eine Freundin,

00:39:21: ein Schulkamerad, eine Schulkameradin da mit dabei ist.

00:39:26: Dass die einfach dann auch intim, gemeinsam,

00:39:30: das macht ganz, ganz viel aus.

00:39:33: Ist das Kind vielleicht auch ein bisschen musikalisch unterwegs,

00:39:35: dann geht es eher mal Richtung Tanz oder Gymnastik oder Zumba, was weiß ich.

00:39:40: Und auf der anderen Seite ist das Kind aber sehr ehrgeizig und diszipliniert.

00:39:46: Ist es dann vielleicht eher der Individualsport,

00:39:48: da muss man einfach ein bisschen auch ein Feeling für entwickeln. Aber ich glaube,

00:39:51: dass Kinder das sehr gut schon selbst auch wissen

00:39:56: und Eltern müssen das dann unterstützen,

00:39:58: begleiten und stückweit natürlich auch ein bisschen, finde ich, Führung geben.

00:40:03: Sie da begleiten, dass sie eben dann auch nicht irgendwie sagen,

00:40:07: alle drei Wochen ist jetzt was anderes dran.

00:40:09: Wir haben jetzt in jüngster Zeit gerade

00:40:11: die Debatte gehabt zum Thema Bundesjugendspiele.

00:40:15: Die kennen wir aus unserer Jugend noch klassisch.

00:40:18: Der Wettbewerb mit der Ehrenurkunde und so weiter. Jetzt gibt es wieder Tendenzen,

00:40:23: da wieder mehr die klassische Wettkampfform einzuführen

00:40:28: oder parallel einzuführen. Wie stehen Sie dazu? Welches wäre Ihr Favorit?

00:40:33: Einfach so lassen, wie es war?

00:40:35: Oder finden Sie auch, dass der sportliche Wettkampf mehr Bedeutung gewinnen sollte.

00:40:40: Absolut. Also alles andere leckt mir jetzt auch nicht nah.

00:40:44: Ich war von klein auf ein Mensch, ein Mädchen, das sich gern gemessen hat.

00:40:50: Das war das gegenseitige Messen, auch die Beste,

00:40:52: die Schnellste zu sein, das war mir in die Wiege gelegt.

00:40:57: Mag sein, dass das nicht jeder Mensch toll findet.

00:40:59: Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung,

00:41:01: dass wir in unserer heutigen Gesellschaft es einfach unwahrscheinlich wichtig ist.

00:41:07: Das ist nicht das wahre Leben, dass wir nicht gemessen werden,

00:41:12: dass nicht Leistung erzielt und erbracht werden muss.

00:41:15: Und die Kinder, ich bin selbst als Mutter bei unseren Kids dabei,

00:41:20: bei den Bundesjugendspielen. Ich sage Ihnen was, die wollen sich nonstop messen.

00:41:24: Die möchten den Wettbewerb.

00:41:26: Die fragen sich gegenseitig, wie weit bist du gesprungen, wie weit hast du geworfen.

00:41:32: Ich bin der Meinung, man sollte das nicht tun.

00:41:35: Und genauso wird ja auch in Mathe, in Deutsch,

00:41:37: in den anderen Fächern werden Noten vergeben.

00:41:39: Und es gibt vielleicht leistungsschwächere Kinder.

00:41:43: In diesen Fächern, die sich aber über den Sport interessieren,

00:41:46: Respekt erarbeiten oder über den Sport einfach auch positionieren.

00:41:50: Und dann finde ich das ganz, ganz wichtig,

00:41:52: dass man den Kindern dann auch die Möglichkeit und die Plattform bietet.

00:41:58: Und ich bin der Meinung, noch kein Kind ist psychisch erkrankt

00:42:01: oder irgendwie hat jetzt davon einen Schaden getragen,

00:42:04: dass wir Bundesjugendspiele austragen.

00:42:06: Und dass man da einmal im Jahr so einen sportlichen Wettbewerb bestreiten muss.

00:42:10: Also für mich ist es wichtig, auch wieder für das ganze Leben,

00:42:15: weil eben später im Leben auch die Dinge so sind, dass nicht alle gleich sind

00:42:21: oder dass man eben dann auch Leistungen erzielen muss und erbracht werden muss.

00:42:26: Und insofern bin ich absoluter Befürworter,

00:42:29: die Bundesjugendspiele durchzuführen und durchzuführen,

00:42:31: wie sie ursprünglich durchgeführt wurden.

00:42:35: Jetzt sind Sie ja Weltklasseathletin im Speerwurf gewesen.

00:42:39: Das heißt, das beherrschen Sie super gut. Gibt es eigentlich irgendwas,

00:42:43: was Frau Obergefüll gar nicht beherrscht, gar nicht kann?

00:42:49: Ganz, ganz, ganz sicher.

00:42:51: Verraten Sie es uns.

00:42:53: Ich bin prinzipiell ein sehr ungeduldiger Mensch. Ja, mein Mann, der ist bei uns,

00:42:59: der hat einen sehr langen Geduldsfaden und schmunzelt dann immer über mich,

00:43:05: weil bei mir muss das immer alles schnell gehen

00:43:06: und muss das immer alles gleich klappen.

00:43:10: Und sonst bin ich manchmal auch ein bisschen ungehalten.

00:43:14: Also das ist etwas, was ich nicht kann.

00:43:20: Hätte es vielleicht auch eine Sportart gegeben,

00:43:24: die anstelle vom Sperrwurf hätte treten können? Wenn ja, was wäre das gewesen?

00:43:28: Hätte es da noch eine Variante gegeben?

00:43:32: Also ich wäre sicherlich durch

00:43:32: das gute Werfen auch eine gute Handballerin geworden.

00:43:36: Ich habe auch mal ein Jahr noch Tennis gespielt,

00:43:39: so mit 14, 15, ein bisschen nebenher.

00:43:42: Da wollten die Damen mich dann auch gleich mit aufnehmen in die Mannschaft,

00:43:45: in der Mannschaft zu spielen. Also ich bin tatsächlich der Meinung,

00:43:50: wenn man ein gewisses sportliches Talent mitbringt und das Talent ist das eine.

00:43:58: Das andere ist dann aber irgendwann,

00:44:00: und das ist im Leben auch wieder so, dass wir dann unsere Fähigkeiten,

00:44:03: die wir haben, auch weiterentwickeln müssen durch viel Training,

00:44:07: durch viel Arbeit und Fleiß.

00:44:10: Das ist hinten raus viel entscheidender als das Talent.

00:44:16: Und insofern glaube ich auch, dass ich in einer anderen Sportart gut geworden wäre.

00:44:23: Wie gut, weiß kein Mensch. Aber dieser Ehrgeiz, diese Disziplin,

00:44:29: diesen Willen, dieses Durchhaltevermögen,

00:44:33: das sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren oder Prinzipien,

00:44:39: die so den erfolgreichen Sportler ausmachen.

00:44:44: Die sind es am Ende. Jetzt waren Sie ja sehr erfolgreich.

00:44:47: Ich weiß nicht, wie sich das in Ihrer Zeit auch finanziell ausgewirkt hat.

00:44:51: Sie konnten sich auf Ihren Sport konzentrieren als Leistungssportlerin.

00:44:56: Blickt man da manchmal neidisch auf andere Sportarten im Fußball,

00:45:00: wo es ja um ganz andere Dimensionen geht? Oder kann man das ausblenden?

00:45:05: Neid ist etwas, was mir ganz fern liegt, wirklich.

00:45:09: Also Neid ist der falsche Ausdruck vielleicht an der Stelle.

00:45:15: Was ich beobachte oder wahrnehme, ist,

00:45:18: dass es aus meiner Sicht völlig überzogen ist,

00:45:22: was ein Fußballspieler, ein, ja, bleiben wir mal bei dem Beispiel,

00:45:26: Fußball ist für mich nicht mehr nachvollziehbar.

00:45:29: Tut mir leid, da bin ich wirklich raus, aber es sei Ihnen gegönnt, Gottes Willen.

00:45:38: Ich sage immer, in der Leichtathletik bist du irgendwo im Mittelfeld.

00:45:43: Wir verdienen Geld,

00:45:44: mein Geld verdienen oder Geld haben ist immer ein bisschen Ansichtssache.

00:45:50: Hast du ausgesorgt, hast du nicht ausgesorgt? Das ist schwierig.

00:45:54: Aber es gibt eben auch ganz, ganz viele Sportarten,

00:45:58: die weitaus weniger verdienen, die nicht in der Situation sind,

00:46:04: wie wir es vielleicht in der Leichtathletik noch haben,

00:46:06: dass wir ein prestigeträchtiges Format haben wie die Diamond League,

00:46:10: wo es doch noch auch ein bisschen Geld zu verdienen gibt

00:46:12: oder wo Sponsoren doch noch Interesse auch haben.

00:46:15: Das ist jetzt in vielen anderen wirklich Sportarten, sagen wir mal Kanu, Rudern,

00:46:22: Auch Turnen, da sind ein paar wenige.

00:46:25: Fabian haben Bücher, der mir jetzt so direkt einfällt. Da sind ein paar,

00:46:28: die haben schon sicherlich viel Geld verdient und sind sehr erfolgreich.

00:46:32: Aber im Normalfall sind das extrem anspruchsvolle Sportarten,

00:46:37: die noch mehr Invest fordern als die Leichtathletik fordert.

00:46:41: aber mit einem Outcome, das wirklich echt gering oder bis gar nichts ist.

00:46:46: Und das ist schade.

00:46:48: Da wiederum habe ich dann fast schon auch ein bisschen Mitleid.

00:46:53: So sehe ich irgendwie die Leichtathletik als noch ganz...

00:46:57: Da bin ich auch dankbar dafür,

00:46:59: dass ich eben über meine Jahre hinweg schon auch Geld verdienen konnte

00:47:02: und durfte. Das war natürlich schon auch eine schöne Sache, schöner Nebeneffekt.

00:47:08: Aber im Großen und Ganzen machst du deinen Sport auch aus Leidenschaft

00:47:11: und das andere kommt dann halt irgendwann als positive Begleiterscheinung mit dazu.

00:47:16: Wie ist es denn Ihrer Meinung nach um den Nachwuchs in der Leichtathletik bestellt?

00:47:21: Die Kommunen, große Finanzprobleme,

00:47:23: auch hier in Baden-Baden, Stadtsägel total leer,

00:47:26: die Sportanlagen, naja, viele lassen vom Zustand her sehr zu wünschen übrig.

00:47:31: Haben Sie da ein Auge drauf und wie sehen Sie

00:47:33: das mit Soheuge auch für die Leichtathletik,

00:47:36: dass da nicht so viel nachkommen kann,

00:47:38: weil vielerorts eben die Gegebenheiten nicht da sind?

00:47:43: Ja, natürlich blicke ich auch ein wenig mit Sorge auf die Leichtathletik.

00:47:48: Wir tun uns natürlich auch schwer, Talente in die Leichtathletik zu bringen.

00:47:54: Liegt aus meiner Sicht auch mitunter daran, dass wir nicht gut sichten.

00:48:00: Und was ein großes Argument mittlerweile für mich ist,

00:48:06: dass du mittlerweile so viele Alternativmöglichkeiten hast,

00:48:11: sportlich aktiv zu werden,

00:48:13: dass es eben auch die Sportvereine nicht mehr zwingend braucht.

00:48:16: Wie viele gehen heute halt schon früh ins Fitnessstudio

00:48:20: oder landen einfach auch dann nicht mehr in den Vereinen.

00:48:24: Und da bricht natürlich unwahrscheinlich viel weg oder eben auch das Angebot,

00:48:28: das sonst auch von den Sportarten einfach breiter aufgestellt ist.

00:48:31: Damals gab es für mich, für die Jungs gab es Fußball,

00:48:35: Mädchenfußball steckte noch absolut in den Kinderschuhen

00:48:37: und für die Mädels gab es dann in aller Regel die Leichtathletik,

00:48:41: also bei uns im Dorf. Und heute,

00:48:45: die Bandbreite ist riesig und natürlich wandern dann halt eben,

00:48:49: es gibt schon noch Kinder, Jugendliche,

00:48:51: die Sport betreiben möchten, die auch sehr motiviert, die sehr auch talentiert sind.

00:48:57: Das haben wir nach wie vor.

00:49:00: Aber die gehen halt auch in viele andere Sportarten uns verloren.

00:49:04: Und wenn die Leichtathletik da sich nicht auch ein bisschen bemüht

00:49:08: und auch vielleicht stückweit ein bisschen neu erfindet oder auch gewisse,

00:49:13: ja, einfach neue Ansätze zeigt, dann kann es schon sein,

00:49:17: dass das natürlich auch schwierig wird.

00:49:19: Also gerade im Sperrbuch der Frauen ist es auch seit Jahren jetzt.

00:49:22: Ich meine, es gibt immer wieder Jahre der Flaute. Das ist auch normal.

00:49:25: Das kann man auch nicht immer gleich begründen.

00:49:29: Dann gibt es halt wieder auch eine stärkere Phase.

00:49:34: Und ja, man weiß ja auch nicht, die Jugend heute tickt natürlich auch anders.

00:49:40: Das ist auch ein schwieriges Thema.

00:49:42: Dann sind halt vielleicht die jungen Mädchen dann auch das Thema Smartphone,

00:49:48: Digitalisierung, digitale Welt. All diese Dinge tragen dazu bei,

00:49:51: dass natürlich auch dadurch weniger Kinder,

00:49:57: Jugendliche zum Sport finden, zu Hause zocken, in ihrer Welt leben.

00:50:03: Ich beobachte das ja an meinen Kindern selbst auch. Wie gehen Sie damit ran?

00:50:07: Ja, das ist tagtäglich Thema.

00:50:10: Dass natürlich da auch gefragt wird, dürfen wir, Mama, dürfen wir was schauen?

00:50:14: Dürfen wir ein bisschen zocken?

00:50:17: Kontrollierte Verabreichung ist unser Programm.

00:50:20: Unsere Kinder, wie gesagt, bewegen sich sehr, sehr viel.

00:50:24: Da habe ich auch gar keine Sorge. Die sind natürlich auch im Stadion groß geworden

00:50:28: oder mit dem Thema Bewegungssport groß geworden. Aber ja, das ist schwer.

00:50:34: Das hat absolutes Suchtpotenzial. Auch bei den Erwachsenen, ne? Absolut.

00:50:41: Das ist wirklich etwas, was mir größere Sorge bereitet als ein schlechtes Stadion.

00:50:47: Weil Sie sagten, Sportstätten und so.

00:50:49: Also das bereitet mir tatsächlich viel größere Sorge.

00:50:51: Die ganzen psychischen Erkrankungen.

00:50:54: Und wenn wir das schon von klein auf groß ziehen, da weiß ich aber nicht,

00:50:58: was uns erwartet in den kommenden Jahrzehnten. Das wird ein großes,

00:51:02: großes oder ist bereits ein großes Thema

00:51:04: und wird noch ein viel größeres Thema werden.

00:51:08: Also da bin ich, wie gesagt, ziemlich bedenklich gestimmt.

00:51:12: Man kann das auch wieder genau dasselbe

00:51:14: wie mit der Ernährung oder mit dem Vorleben.

00:51:16: Man kann das nur, indem man den Kindern vorlebt, indem man zu Hause Regeln hat,

00:51:20: die herrschen, die auch eingehalten werden.

00:51:22: Konsequent zu bleiben, ganz klare, klare Vorgaben zu machen.

00:51:27: Wie lange darfst du spielen?

00:51:29: Wie lange darfst du dein Handy nutzen oder das Fernsehen benutzen?

00:51:33: Und dann funktioniert das nicht. Klare Regel.

00:51:36: Wie haben Sie das früher gemacht? Während des Wettkampfs?

00:51:39: Sie haben Ihre Würfe, zwischendurch ist die Pause.

00:51:42: Sie hatten keine Gelegenheit, rumzudatteln.

00:51:44: Wie haben Sie die Zeit genutzt? Irgendwie Musik gehört? Darf man ja auch nicht

00:51:49: im Stadion tatsächlich. Dürfte man nicht? Nein, ist das verboten.

00:51:53: Keine Handys, keine Airpods oder irgendwas im Stadion. Das ist nicht erlaubt.

00:51:58: Tatsächlich mit, also später, das ist etwas,

00:52:00: was ich vielleicht so als einzigstes,

00:52:02: was würde ich anders machen, was würde ich besser machen?

00:52:04: Ich würde früher mit dem Mentaltraining einsteigen.

00:52:06: Da haben Sie erst sehr spät begonnen.

00:52:08: Da habe ich relativ spät angefangen.

00:52:10: Es war damals auch noch so ein bisschen unbedarft.

00:52:12: Heute gehört das auch schon fast dazu.

00:52:16: Und da habe ich Techniken erarbeitet oder erlernt, wie Atemtechniken,

00:52:21: den Fokus wiederzufinden durch solche Grundlagen des mentalen Trainings,

00:52:26: progressive Muskelrelaxation, positive Selbstgespräche, alles solche Dinge.

00:52:33: Damit habe ich mich zwischen den Versuchen zum einen runtergebracht

00:52:37: oder zum anderen auch wieder aktiviert.

00:52:40: Ja, das war so das Rezept im Stadion.

00:52:47: Jetzt haben Sie vorhin ja auch angesprochen,

00:52:49: dass die Vereine vielfach Probleme haben,

00:52:52: gerade im ländlichen Raum Nachwuchs zu bekommen.

00:52:54: Würden Sie sagen, meine Karriere hätte ohne Verein gar nicht funktioniert?

00:52:58: Kann man das so sagen? War der Verein für Sie so wichtig,

00:53:02: um reinzukommen und dann auch die Station zu durchlaufen?

00:53:05: Leichtathletik übst du in einem Leichtathletikverein aus.

00:53:11: in einem Stadion, was in aller Regel einer Gemeinde gehört,

00:53:15: wo dann eben der zuständige Leichtathletikverein

00:53:17: oder Sportverein das Ganze verwaltet und so war.

00:53:21: Und auch, ich finde das ja auch etwas, nochmal,

00:53:24: die Leichtathletik ist ein Individualsport,

00:53:26: aber auch diese Leute um dich herum zu haben, die Menschen,

00:53:30: die der gleichen Leidenschaft nachgehen wie du, sich dort zu treffen,

00:53:35: gemeinsam eine gute Zeit zu haben und einen Sport auszuüben,

00:53:40: den man gerne ausübt, das wollte ich nicht missen.

00:53:45: Jetzt bin ich vermutlich auch schon zu alt für diese ganze digitale Welt,

00:53:51: aber mich reizt es überhaupt nicht,

00:53:54: aber weil ich natürlich auch zu schätzen gelernt habe oder weiß,

00:54:00: wie toll so ein Spaziergang in der Natur,

00:54:05: im Wald, wir leben auf dem Dorf, wie toll das sein kann,

00:54:09: wie gut das tut und dass wir diese ganze virtuelle

00:54:14: und auch oft total inszenierte falsche Welt gar nicht brauchen

00:54:21: und dieser Abhängigkeitsfaktor, also mir wird es nicht passieren, Es

00:54:25: heißt auch, beim Spazierengehen brauchen Sie keine Musik in den Ohren.

00:54:28: Ich höre schon hin und wieder mal auch einen Podcast.

00:54:31: Ich höre gerne auch mal ein Audible-Hörbuch.

00:54:34: Klar, weil jetzt Natur genießen, ja, immer gerne.

00:54:37: Aber natürlich hat man auch mal Lust auf sowas.

00:54:41: Das will ich jetzt gar nicht, aber irgendwie jetzt in so eine virtuelle Welt,

00:54:44: dass ich sage, ich bin nur noch am Spiele spielen

00:54:47: und ich bin nur noch am Feeds checken oder am Liken, am Gotteswillen.

00:54:53: Nein, niemals, niemals.

00:54:55: Das kann für mich das reale Leben, den Austausch mit Freunden,

00:54:58: mit Familie, mit Kollegen gar nicht ersetzen. Niemals.

00:55:03: Jetzt sind Sie ja auch in der Vergangenheit,

00:55:05: habe ich Sie einfach in Erinnerung als sehr sympathische Sportlerin.

00:55:09: Gab es denn auch mal irgendwo einen Moment,

00:55:11: wo Sie vielleicht mal einen Skandal produziert haben

00:55:14: oder vielleicht ein kleines Skandalchen?

00:55:16: Gab es irgendwas, was in diese Kategorie fallen würde?

00:55:23: Nee, tatsächlich nicht.

00:55:27: Fällt mir nicht. Ja, also nein, ich habe nicht den Skandal produziert.

00:55:30: Mir fällt ein Negativmoment natürlich ein, der nicht schön gewesen ist.

00:55:35: Das war ziemlich zu Ende meiner Karriere.

00:55:37: 2016, da gab es drei Tickets für die Olympischen Spiele nach Rio

00:55:42: und wir waren vier Weltklasse-Werferinnen in Deutschland.

00:55:45: Die Auswahl.

00:55:46: Es gab einen großen Streit,

00:55:49: weil wir alle eng beieinander waren und die Regularien...

00:55:54: im Grunde klar waren, aber irgendwie dann doch nicht ganz klar.

00:55:58: Und da hat es viel böses Blut gegeben,

00:56:02: viel auch dann in dieser sozialen Welt schon auch Angriffe,

00:56:08: die mir wirklich zugesetzt haben,

00:56:10: weil ich ein prinzipiell sehr harmoniebedürftiger Mensch bin.

00:56:14: Und ja, einfach so die Stimmung,

00:56:17: das macht schon was mit uns, wenn diese Stimmung negativ ist.

00:56:21: Und das war nicht schön.

00:56:25: Das war so ein bisschen vielleicht skandalbehaftet,

00:56:30: weil ich dann auch die ein oder andere Entscheidung treffen musste.

00:56:34: damit ich mich an die Regularien des Verbandes halte,

00:56:37: die vielleicht auch dem einen oder anderen Fan nicht geschmeckt haben,

00:56:40: die ich auch vielleicht schade fand.

00:56:42: Damals, ich hätte noch einen Wettkampf zu Hause, hatten wir angemeldet,

00:56:46: da sind dann von jetzt auf gleich 300 Zuschauer im Stadion gestanden

00:56:50: und ich habe dann gesagt, ich werfe nicht, weil wenn ich jetzt werfe,

00:56:53: dann kann passieren das und das haben wenige verstanden.

00:56:57: Das sind so Erinnerungen, wo ich sage, ja, das war nicht schön hinten raus,

00:57:02: Aber ansonsten bin ich wirklich tatsächlich sehr,

00:57:04: sehr mit wunderbaren, tollen Erinnerungen, Momenten,

00:57:11: Erfahrungen aus meiner Zeit rausgegangen

00:57:14: und bin da auch unfassbar dankbar dafür.

00:57:18: Als Spattlerin hat man natürlich auch oftmals dann einfach Lob vernommen,

00:57:23: weil wenn die Leistung gestimmt hat, dann hat man die Amerkennung.

00:57:26: Gibt es irgendeinen Lob, wo Sie sagen, das höre ich immer noch sehr gerne?

00:57:30: Ja, ich meine,

00:57:34: dass man über viele,

00:57:37: viele Jahre hinweg zu den Besten der Besten gehört hat,

00:57:42: das ist schon etwas, was ich natürlich immer wieder auch höre.

00:57:45: Mensch, Christina, das ist schon Wahnsinn, wie du es geschafft hast.

00:57:48: Viele sind ja mal einmal gut, haben ein One-Hit-Wonder

00:57:52: und dann verschwinden sie wieder von der Bildfläche.

00:57:55: Und das wird schon

00:58:01: mit großer Anerkennung

00:58:02: oder mit großem Respekt auch wahrgenommen und immer wieder auch dann geäußert.

00:58:08: Als Athletin waren Sie natürlich auch begehrt,

00:58:11: als Gesprächspartnerin bei den Medien.

00:58:14: Gibt es denn irgendeine Frage, die Sie gar nicht mehr hören können,

00:58:16: damit ich dir auch nicht versuche, gerade die zu stellen? Haben Sie schon gestellt.

00:58:21: Nein.

00:58:21: Welche war das?

00:58:22: Wie sind Sie denn zum Sperrwerfen gekommen?

00:58:24: Nein, aber das ist natürlich eine Frage, die dazugehört,

00:58:26: das weiß ich schon, aber die wird mir tatsächlich halt immer gestellt.

00:58:30: Aber ansonsten nein, um Gottes Willen.

00:58:34: Nein, ich spreche auch gerne über Muskulatur,

00:58:36: die manche Frauen vielleicht als, also gerade jetzt war ich ja in einer Sportart,

00:58:40: die nicht so

00:58:43: eher einer Männerdomäne vielleicht auch zugesprochen wird.

00:58:47: Egal. Natürlich war mir auch immer wichtig,

00:58:52: dieses Weibliche zu halten, klingt total bekloppt,

00:58:57: aber zu bewahren und das war mir schon wichtig.

00:59:02: Aber es lässt dich eben auch auf der anderen Seite nicht ganz vermeiden,

00:59:04: dass du halt als Werferin dann auch,

00:59:07: und ich habe gut angesprochen auf Krafttraining,

00:59:09: dass man dann halt eben auch Muskeln bekommt.

00:59:13: Aber es kann auch was total Schönes und Tolles sein

00:59:16: und irgendwie macht es uns auch einzigartig

00:59:18: oder dann auch auf der anderen Seite diesen Mut zu haben und zu sagen,

00:59:20: ich gehe meinen eigenen Weg und lasse mich nicht beirren,

00:59:22: ob dem einen oder anderen das gefällt.

00:59:24: Guck mal, was die Oberkirche für ein Kreuz hat. Ist immer mal wieder passiert.

00:59:27: Schau mal, was die für ein Kreuz hat.

00:59:30: Ja, so wird. Sie sind Ihren Weg gegangen, Sie gehen ihn auch weiterhin.

00:59:35: Was wäre aus Ihnen geworden,

00:59:36: wenn Sie jetzt nicht die Karriere als Sperrwerferin gemacht hätten?

00:59:45: Ich sage jetzt ganz ehrlich, vermutlich wäre ich heute Lehrerin.

00:59:49: Lehrerin, tatsächlich?

00:59:50: Sportlehrerin? Ich habe ja Sport und Englisch studiert auf Lehramt

00:59:55: und war dann in Sport im Grunde scheinfrei, hätte Examen machen können,

01:00:00: aber in Englisch haperte es ein wenig. Ich habe dann auch damals aufgrund

01:00:04: der sportlichen Karriere ein Stipendium bekommen, abgeblasen, muss man so sagen.

01:00:10: Und da habe ich natürlich dann irgendwann Probleme bekommen.

01:00:14: Fokus lag auf dem Sport, Englisch wurde immer schwieriger, kurzum.

01:00:18: Ich habe mich entschieden, kein Lehramt abzuschließen,

01:00:21: weil wenn du nicht im zweiten Fach auch abschließen kannst,

01:00:26: dann funktioniert das eben nicht.

01:00:27: Und habe daraufhin dann den Weg eingeschlagen Richtung Prävention,

01:00:31: Richtung Gesundheitsmanagement.

01:00:33: Was Sie ja heute noch machen.

01:00:35: Wenn ich nicht diesen erfolgreichen Weg im Sport eingeschlagen hätte,

01:00:38: hätte ich mein Studium mit Sicherheit durchgezogen,

01:00:40: hätte das Stipendium durchgezogen und wäre heute Sport- und Englischlehrerin.

01:00:44: Aber das, was Sie erlebt haben in Ihrem Leben, ich nehme an, das ist etwas,

01:00:49: was Sie nicht bereuen oder hätten Sie irgendwas anderes gemacht im Nachhinein?

01:00:53: Hinterher ist man ja immer schlauer.

01:00:54: Immer schlauer, genau, das ist immer einfach.

01:00:57: Zwei Dinge sind im Grunde jetzt auch schon beide gefallen.

01:01:01: Das eine ist das Stipendium,

01:01:03: also so diesen Fokus und die Priorität immer ganz klar im Spitzensport zu haben,

01:01:09: hat dazu geführt, dass ich das eben nicht gemacht habe.

01:01:12: Das ist etwas, was ich ein wenig bereue,

01:01:16: weil man da so unwahrscheinlich viele Erfahrungen auch sammelt,

01:01:18: weil man da dann in jungen Jahren irgendwie mal ein, zwei,

01:01:22: drei Jahre in den USA oder sonst wo auch zu leben hat.

01:01:26: selbstständig zu werden, auch Verantwortung zu übernehmen,

01:01:29: groß zu werden, Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

01:01:31: Das ist etwas, was ich ein wenig bereue, dass ich das nicht machen konnte.

01:01:36: Und das Zweite ist,

01:01:37: dass ich eben, hätte ich es nochmal damit zu tun, viel, viel früher anfangen würde,

01:01:40: mit einem Sportpsychologen zusammenzuarbeiten. Ansonsten glaube ich,

01:01:44: habe ich ziemlich viele richtige und gute Entscheidungen getroffen

01:01:48: und bin deswegen total rein mit mir, mit meiner Karriere und nochmal bin dankbar.

01:01:54: Sie hätten vielleicht noch ein paar Goldmedaillen mehr werden können.

01:01:56: Dann wären es vielleicht eben auch die ein oder andere mehr geworden,

01:01:59: hätte ich das früher gemacht mit dem Mentaltraining.

01:02:02: Aber so ist es und ist auch okay.

01:02:05: Ja, es hat wirklich riesen Spaß gemacht, mit Ihnen zu sprechen.

01:02:09: Wir haben in unserem Podcast,

01:02:10: ich nehme das gleiche auch immer noch so ein kleines Ritual,

01:02:13: dass der Gast schon mal eine Frage stellen darf,

01:02:16: die dann an den nächsten Gast gerichtet wird.

01:02:20: In dem Fall wäre es Moses Pelham.

01:02:24: Ich nehme an, er ist Ihnen vielleicht noch geläufig, Rödelheim.

01:02:27: Ein Hardtime-Projekt, war Musikist, Musikproduzent,

01:02:31: war damals Sabrina Sedlur produziert und auch Xavier Naidoo,

01:02:35: also ein Musiker, ein Rapper. Würde Ihnen da spontan eine Frage einfallen,

01:02:40: die Sie gerne dem Herrn Pelham stellen möchten?

01:02:43: Also ich würde ihm gerne die Frage stellen wollen,

01:02:47: wie man das mit dem Takt und dem Rhythmus hinbekommt, richtig zu zählen,

01:02:52: weil das ist etwas,

01:02:53: was mir im Sportstudium in Gymnastiktanz nie gelungen ist.

01:02:57: Das ist Ihnen nie gelungen?

01:02:59: Und vielleicht kriegt er es hin, da richtig den Menschen beizubringen.

01:03:04: Oder wie macht man das relativ einfach, dass man das direkt hört, dass man sagt,

01:03:08: das ist in so und so viel Takt,

01:03:09: das ist in so und so viel Takt, habe ich nie gerafft.

01:03:12: Das würde ich gerne mal noch verstehen wollen. Das nehmen wir als Schlusswort.

01:03:15: Herzlichen Dank, Frau Oberfüll, dass Sie da bei uns waren. Wunderbar.

01:03:19: Danke auch.

01:03:23: Ich nehme das Gleiche. Der Promi-Podcast der badischen neuesten Nachrichten.

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